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Im „wahren“ Afrika

Ich bin gestern Nacht aus Kitale zurück gekommen, wo ich einige bereits existierende Baumpflanz-Projekte besucht habe. Mehr dazu werde ich in einem der nächsten Blogeinträge schreiben. Diesmal möchte ich mich auf den Bericht über meine kulturellen Erfahrungen in dem, was mir als „wahres“ Afrika vorgestellt wurde, beschränken.

Kids in the orphanage

Ich übernachtete in einem Waisenhaus namens Baba Nyumbani, welches gleichzeitig auch eine der DOVE Gemeinden ist (die Kirche mit der ich hier arbeite). Es handelt sich um eines der allerbesten Waisenhäuser Kenias. Das Areal ist wunderschön gestaltet und bietet ein Zuhause für 100 Kinder und acht Eltern, welche diese betreuen. Teil der Einrichtung ist außerdem ein kleiner Bauernhof, der mehrere Hektar Ackerfläche für Mais und Gemüse, ein Gewächshaus, viele Hennen und ein paar Kühe umfasst. Die Erzeugnisse des Bauernhofs können fasst den gesamten Lebensmittelbedarf decken und die Überschüsse werden auf dem Markt verkauft. Außerdem bietet der Bauernhof den Kindern die Möglichkeit praktische Fähigkeiten zu erlernen. Das Waisenhaus war ein wunderbarer Ort um vier Tage umgeben von vielen fröhlichen süßen Kindern zu verbringen und ich hatte die Möglichkeit viele interessante Gespräche mit dem Manager Walter und dem Pfarrer des Waisenhauses Amos zu führen.

Riding the motorcycle

Tagsüber besuchte ich zusammen mit Pfarrer Williams die verschiedenen, von den Pfarrern der Gemeinden betreuten, Baumschulen in der Region, die Williams managte. Die Strassen im ländlichen Kenia sind hauptsächlich Schotterpisten, auf denen wir uns mit Williams Motorrad fortbewegten. Ich saß also drei Tage lang hinter Williams auf dem Motorrad und genoss es den Fahrtwind zu spüren, kräftig durchgeschüttelt zu werden und am Ende das Tages von Kopf bis Fuß verstaubt zu sein. Die im oberen Foto zu sehende Schotterpiste stellt dabei noch ein sehr gut erhaltenes Exemplar ihrer Gattung dar. Motorräder sind definitiv das beste Verkehrsmittel auf diesen Straßen und viele junge Männer versuchen sich mit Motorradtaxis, sogenannten boda-bodas, einen Lebensunterhalt zu verdienen. Von der Straße aus konnten wir die Männer bei der Feldarbeit, die Frauen beim Holzsammeln und die Kinder auf dem Schulweg beobachten. Die meisten Menschen im ländlichen Kenia leben von weniger als einem Dollar pro Tag und haben daher im Allgemeinen keinen Zugriff auf andere Transportmittel als ihre Füße. Das Bedeutet, dass Kinder häufig eine halben Stunde zur Schule laufen oder auch rennen. Dies ist allerdings schon eine bedeutende Verbesserung gegenüber früher. Pastor Amos erzählte mir, dass er als Schüler jeden Tag insgesamt 28 Kilometer zu Fuß zurücklegte. Die meisten Kinder müssen jeden Mittag nach Hause laufen, um etwas zu Essen zu kriegen, weil ihre Eltern morgens noch nichts haben, was sie Ihnen mitgeben könnten. Weiße kommen nur sehr selten durch diese Dörfer und nutzen erst recht keine boda-bodas. Daher stand ich natürlich immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und nicht selten liefen „Mzungu“ (weißer Mann in Kiswahili) rufende Kinder hinter dem Motorrad her.

A big African family

Wirklich jeder in dieser Region betreibt zumindest ein wenig Landwirtschaft. Die Familien sind groß, zehn Kinder sind keine Seltenheit. Geschlechter Rollen sind deutlich ausgeprägt und kulturelle Regeln sind strenger und traditioneller. So ist eine Jeans am Sonntag beispielsweise schon keine angemessene Bekleidung mehr und kurze Hosen sind sowieso generell tabu. Außerdem ist es für die meisten Christen - wie fast überall in Kenia - nicht akzeptabel Alkohol zu trinken oder zu rauchen und wenn man selber dies tuen sollte, würde man von niemandem mehr ernst genommen. Die Frauen kochen häufig noch immer auf drei Steinen und essen nicht zusammen mit den Männern, wenn Gäste zu Besuch sind. Mais, Bohnen und Gemüse wie Grünkohl sind die Hauptnahrungsmittel. Abgesehen vom Problem der Müllentsorgung leben die Menschen sehr nachhaltig und einigen geht es relativ gut und sie scheinen glücklich zu sein. Es ist sehr beeindruckend, mit wie Wenig diese Menschen sich zufrieden geben können und wie dankbar sie Gott für das sind, was sie haben. Nichtsdestotrotz ist es eine prekäre Lage, in der diese Menschen leben, denn sie haben absolut keine Sicherheiten. Wenn es nicht regnet gibt es auch nichts zu Essen und häufig haben die Menschen nicht einmal die Kenntnisse, um ein grundlegendes Bewässerungssystem zu bauen, selbst wenn ein Teich oder kleiner Bach in der Nähe ist. Trotzdem ist die Gemeinschaft in den ländlichen Regionen besser in Takt als in den Städten und es geht den Menschen meist besser. In den städtischen Gebieten gehört den Menschen häufig das Land, von dem sie leben, nicht und es kann vorkommen, dass es an einen Investor verkauft wird und sie ihre Lebensgrundlage verlieren.

Conversation and chai

Nur wenige Menschen sprechen Englisch auf dem Land, aber die Menschen sind sehr zuvorkommend und gastfreundlich. Die Pfarrer, welche die Baumschulen betrieben, die wir besuchten, boten uns häufig Chai und ungetoastetes weißes Toastbrot oder sogar eine richtige Mahlzeit an und diese Pfarrer hatten meist keinen höheren Lebensstandard als die anderen Dorfbewohner. Kenianischer Chai ist schwarzer Tee mit viel Milch und Zucker, welcher manchmal mit Ingwer und andere Gewürzen versetzt wird. Chai ist DAS national Getränk in Kenia und wird immer wenn sich Menschen treffen und nach jedem Essen angeboten.

Alles in allem war mein Besuch in Kitale sehr hilfreich um eine bessere Vorstellung vom Leben im ländlichen Kenia zu erlangen und ich habe einige Ideen entwickeln können, was genau wir in den nächsten Wochen und Monaten hier versuchen wollen umzusetzen. Aber mehr dazu ein andermal.

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