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Englische Version

Der Junge, der
der Kuh nachjagte

Der Junge rannte durch ein ausgetrocknetes Flussbett so schnell er nur konnte. Er jagte hinter einer Kuh her, einer dieser in Ostafrika typischen schlanken und gehörnten Masai Kühe. Man konnte ihm ansehen wie verzweifelt er war. Tränen liefen ihm über die Wangen und mischten sich mit dem Staub der überall war. Er war schon mehrmals hingefallen bei dem Versuch eines der Beine der Kuh zufassen zu kriegen. Es war unglaublich anstrengend sich im rutschigen Sand des ausgetrockneten Flussbetts fortzubewegen. Aber trotzdem der Junge schon einige hundert Meter gerannt war und völlig erschöpft sein musste, machte es nicht den Anschein, dass er jemals aufgeben würde.

Der Junge war 14 Jahre alt und rannte nicht nur einfach der Kuh hinterher, sondern er rannte um sein Leben. Sein Vater war Pfarrer im Dorf und versuchte nebenbei Baumsetzlinge zu verkaufen im Glauben, dass Bäume das Leben der Menschen verbessern würden. Aber er verdiente kaum genug Geld damit um seine Familie zu ernähren und diesen Monat hatte er die Schulgebühren für seinen Sohn nicht bezahlen können. Daher hatte man seinen Sohn nach Hause geschickt. Sein Vater schämte sich, insbesondere weil er wusste, dass Bildung die einzige Möglichkeit war für seine Kinder ein besseres Leben zu haben und für sein Vaterland sich zum Besseren zu entwickeln. Er hatte also mit seiner Frau zusammen beschlossen die eine Kuh, die sie besaßen, auf dem Markt zu verkaufen, um die Schulgebühren bezahlen zu können. Am nächsten Tag trieb sein Sohn also die Kuh zum Markt, der 16 Kilometer entfernt war. Es war eine harte Arbeit, weil die Kuh nicht daran interessiert war der Strasse zu folgen und die Sonne am wolkenlosen Himmel brannte. Kurz bevor er den Markt erreicht hatte, hatte sich die Kuh los gerissen und war durch das Flussbett davon gerannt. Der Junge rannte also nicht nur der Kuh hinterher, sondern er rannte für seine Bildung, seine Zukunft, sein Leben.

Der Junge hatte es endlich geschafft die Kuh einzufangen. Er war völlig fertig. Mit einer Hand hielt er die Kuh am Bein fest und mit der anderen hatte er die Wurzel eines Baums umklammert, um nicht von der Kuh davon gerissen zu werden. Bald kamen einige Frauen vorbei, die ihm halfen die Kuh zu beruhigen und ihr den Strick wieder umzulegen. Er gelangte zum Markt, wo er die Kuh für einen guten Preis verkaufte. Aber die Erfahrung brachte ihn zum Nachdenken. Einige seiner Mitschüler waren in letzter Zeit nicht mehr zur Schule gekommen. Vermutlich hatten auch ihre Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen können und hatten keine Kuh gehabt, die sie verkaufen konnten. In diesem Moment beschloss der Junge, dass er durch sein Leben etwas verändern wollte in dieser Welt, damit alle Kinder zur Schule gehen könnten, die Menschen nachhaltig ihren Lebensunterhalt erwerben könnten und die ausgetrockneten Flüsse sich wieder mit Wasser füllen und durch grüne Hügel fließen würden.

Der Junge hieß Isaac Kalua und gründete 30 Jahre später nach einigen anderen Bemühungen schließlich die 'Green Africa Foundation'. Deren Ziel ist es sogenannte 'Grüne Dörfer' in Afrika zu etablieren, welche Vorbildfunktion in den folgenden drei Bereichen haben sollen:

  1. Freundlicher und respektvoller Umgang miteinander durch Etablierung ethischer Standards und Training in Lebenskunde.
  2. Förderung einer gesunden und friedlichen Gemeinschaft durch die Schaffung nachhaltiger Lebensgrundlagen.
  3. Nachhaltiger Umweltschutz insbesondere in den Bereichen Wasser, Boden, Luft und Energie.

Visit in Kitui Green Center

Ich hatte gestern die Möglichkeit zusammen mit Dr. Kalua und einem südafrikanischen Architekten, das erste 'Grüne Zentrum' im Heimatort von Dr. Kalua in Kitui zu besuchen. Dort konnte ich Demonstrationen verschiedener 'grüner' Aktivitäten besichtigen und wir hatten viele Interessante Gespräche. Da das Konzept der 'Grünen Dörfer' bereits gut ausgearbeitet ist und sich bewährt hat, wollen wir mit der 'Green Africa Foundation' zusammen arbeiten und die Omondi Farm zu einem 'Grünen Zentrum' ausbauen und daran arbeiten Got Osimbo zu einem 'Grünen Dorf' zu machen.

Mehr Fotos aus Kitui könnt ihr auf Flickr finden. Außerdem gibt es eine Reportage des ARD über die Arbeit der 'Green Africa Foundation'.

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