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In Got Osimbo

Letzte Woche habe ich Got Osimbo besucht, das Dorf in welchem wir ein neues Projekt starten wollen. Uns stehen dort ca. 40.000 Quadratmeter Land (teilweise im Foto zu sehen) zur Verfügung, auf denen ein Aubildungs- und Gemeinschaftszentrum in den nächsten Monaten und Jahren entstehen und wachsen soll.

Project Area Victors Family

Der Ortsvorsteher der Region, Victor Opondo, hatte mich zu sich nach Hause ins Nachbardorf eingeladen und so hatte ich die Gelegenheit seine Familie kennen zu lernen und auch das Leben im Dorf einmal Hautnah mitzuerleben. Das bedeutet kein fließend Wasser und kein Strom. Es ist interessant, dass aus westlicher Sicht diese Dinge so grundlegend scheinen und man davon ausgeht, dass jeder der keinen Zugang zu ihnen hat wirklich arm sein muss. Hier ist das alles etwas anders. Die meisten Dörfer sind einfach nicht an die Wasser- oder Stromversorgung angeschlossen - auch wenn sich das langsam ändert. Daher ist es völlig normal ohne fließend Wasser und Strom zu leben und da die meisten Menschen hier sowieso ohne diesen Luxus aufgewachsen sind, erscheint es ihnen auch nicht als besonders armselig. Ich habe im Dorf einige Leute getroffen, die sehr gut ausgebildet sind und einen Bachelor- oder sogar Master-Abschluss haben und auch einen ordentlichen Job als Lehrer, Arzt oder in der Verwaltung haben und auch zeitweise in der Stadt gelebt haben, aber hier auf dem Land leben sie ganz selbstverständlich ohne fließend Wasser und Strom. Es ist eben eigentlich nur eine Bequemlichkeit und nicht eine Lebensnotwendigkeit.

My Bed Breakfast

Abgesehen von der äußeren Unterschiede ist das Leben im Dorf gar nicht so anders. Die Menschen arbeiten, haben Sitzungen, verbringen Zeit mit ihren Familien, trinken Chai, kochen und essen, gehen zur Schule und treffen Freunde. Die Tatsache, dass das Leben vielleicht nicht so komfortabel ist und die Menschen weniger materiellen Besitz haben macht nicht wirklich einen dramatischen Unterschied und die Menschen selbst haben auch nicht notwendigerweise das Gefühl arm zu sein. Ich denke, es liegt eher am starken Kontrast der unterschiedlichen Lebensstandards und der scheinbaren Erreichbarkeit von Reichtum in unserer Gesellschaft, dass viele Menschen bei uns unzufrieden mit dem sind, was sie besitzen, und nach immer mehr Besitz streben, obwohl sie nach hiesigem Standard reich sind. Außerdem spielt natürlich das heftige Stigma mit dem „Armut“ bei uns behaftet ist ebenfalls eine große Rolle. Es gibt einiges zu lernen vom Leben in den Dörfern hier und ich bin schon gespannt auf weitere kulturelle Erfahrungen in der Zukunft.

Auch wenn das Leben in den Dörfern meist deutlich besser ist als in den Slums, so ist es doch nicht ideal. Es gibt kulturelle Probleme wie Alkoholismus, Kriminalität und Geschlechterungleichheit, Es fehlt häufig an Bildungschancen für Kinder und an Wissen darüber, wie man effektiver und nachhaltiger Landwirtschaft betreiben kann und es gibt einige ökologische Probleme. Natürlich sind viele dieser Probleme miteinander verbunden und können letztlich nur durch die Menschen selbst gelöst werden. Unsere Hoffnung ist es einige Menschen zu befähigen diese Probleme anzugehen und gemeinsam mit ihnen tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Unsere Vision ist es, dass auf unserem Land in der Gemeinde ein Begegnungs- und Lernzentrum entsteht: Wo sich Menschen im Schatten der Bäume begegnen, wo die Menschen hart arbeiten und gute Ernten einbringen und wo der Nutzen und Wert der Fürsorge für die Umwelt sichtbar wird.

Buying Firewood Transporting Firewood

Eines der größten Umweltprobleme in den Dörfern ist das Abholzen der Bäume zur Brennholz Produktion. Die meisten Menschen sind auf Brennholz und Holzkohle zum Kochen angewiesen und viele kochen noch immer auf drei Steinen​​. Ich hatte die Gelegenheit mit Victors Frau über Koch-Praktiken zu reden. Sie benutzt verschiedene Kocher, manche davon energiesparender als andere, aber das passende Brennholz ist nicht immer leicht zu beschaffen. Wir gingen gemeinsam Feuerholz bei einer Nachbarin kaufen. Die Nachbarin war eine sehr alte Frau, deren einziges Einkommen aus dem Verkauf von ein bisschen Feuerholz bestand, welches sie selbst auf ihrem Grundstück sammelte. Das Kochen mit Holz ist auch in keinster Weise günstig. Beim Kochen auf drei Steinen benötigt man pro Tag ca. 10-15 Kilogramm Feuerholz, die für rund einen Euro zu kaufen sind. Das Kochen mit Holzkohle ist ungefähr genau so teuer. Da sich viele Menschen in den Dörfern das nicht leisten können, gehen sie illegal Holz sammeln. Manchmal laufen sie viele Kilometer und ihre Kinder müssen ihnen helfen. Zusätzlich entsteht beim Kochen auf offenem Feuer eine Menge Rauch und die Küchen haben in der Regel noch nicht einmal Fenster, das ist natürlich äußerst schädlich für die Gesundheit und tatsächlich eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit. Eine einfache Verbesserung ist ein selbst gebauter geschlossener Herd, wie ihn Victors Frau besitzt. Sie kann dadurch mit halb soviel Feuerholz kochen und es gibt auch fast keinen Rauch.

Bio digester

Die beste Alternative wäre natürlich das Kochen mit Gas. Eines der größten Probleme hierbei ist kultureller Art. Das Kochen mit Gas funktioniert ziemlich anders und muss erst einmal gelernt werden, aber die Menschen haben daran gar kein Interesse und sind neuem gegenüber skeptisch eingestellt. Die Umstellung wäre so, wie wenn wir plötzlich alles auf einem Grill kochen müssten. Zusätzlich bedarf es natürlich der Investition in einen Gasherd und eine Gasflasche, es spart allerdings auf lange Sicht auch Geld, da Gas billiger ist. Eine noch bessere Lösung als Gas zu kaufen ist es natürlich sein eigenes Gas zu produzieren. Schon wenn man im Besitz von nur zwei Kühen ist, kann man mit dem Dung genug Gas für den täglichen Bedarf zum Kochen produzieren. Ein Freund den ich im Dorf kennen gelernt hatte, Patrick, kannte jemanden in der Region, der grade eine Biogasanlage baut (siehe obiges Foto). Wir sind auch im Begriff eine Biogasanlage auf der Omondi Farm zu bauen und arbeiten mit einer Firma zusammen, die diese Anlagen vermarktet und fördert und sogar eine Biogasanlage im Angebot hat, welche aus einem Kilo Küchenabfall pro Tag schon genug Biogas zum kochen produzieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass Biogas die aussichtsreichste Alternative zum Kochen mit Holz darstellt und wir hoffen etwas zu ihrer Verbreitung beitragen zu können.

Alles in allem war mein Besuch in Got Osimbo sehr erfolgreich und ich hatte die Möglichkeit Kontakte aufzubauen zur Schule vor Ort, zu Menschen aus der dortigen Kirchengemeinde, zum Ortsvorsteher und anderen Menschen in der lokalen Verwaltung und zu ein Paar Dorfbewohnern. Weitere Fotos aus Got Osimbo gibt es hier zu sehen.

Ein paar Tage am Ufer des Viktoria Sees

On Lake Victoria Aligator

Nach meinem Besuch in Got Osimbo konnte ich noch die Albitz Familie (die Missionare ich am Anfang meiner Zeit hier kennengelernt habe) für ein Paar Tage besuchen. Sie haben sich in ihrer neuen Heimat in Kisumu mittlerweile gut eingelebt und wir hatten eine schöne Zeit zusammen: Wir waren bei einer Independence Day Party, im Gottesdienst, bei einer Einladung zum Mittagessen bei einer Familie aus der Kirche in deren dörflichem Heim, im lokalen Museums mit mini Zoo, zu Besuch bei einer NGO in Kisumu und am Ufer des Victoria-See. Außerdem gab es Pizza, asiatisches und westliches Essen und es ist immer lustig mit den Kindern zu spielen und wir hatten viele gute Gespräche. Weitere Fotos aus Got Osimbo gibt es hier zu sehen.

Dan, Noah and Andrew Gloria Sarah and Noah

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