Google
Spenden
Englische Version

Nord Marmanet
Aufforstungsprojekt

Seit mein Freund Daniel vor einigen Wochen aus den USA nach Hause zurück gekommen ist, haben wir gemeinsam begonnen, an der konkreten Umsetzung eines Aufforstungsprojekts zu arbeiten. Ibrahim Omondi hatte von der Regierung 300 Hektar Land in Zentralkenia, nahe dem Mount Kenia, zur Aufforstung erhalten. Und mein Freund Daniel hatte im vergangenen Jahr mit UN Habitat an einem Arbeitsbeschaffungs-Programm für Jugendliche gearbeitet. Nun hatten wir die Idee, die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und die Umweltsanierung miteinander zu verbinden.

Old indigenous tree

Planungsphase mit Daniel

Ein paar hunderttausend Bäume zu pflanzen ist natürlich keine kleine Aufgabe. Also beschlossen wir zunächst einmal einen Plan für die Planungsphase zu erstellen. Gesagt getan, wir nahmen uns zwei Tage Zeit, einen Stapel Karteikarten und ein paar Stifte und begannen alle erdenklichen Aufgaben, die uns nötig erschienen, auf die Karteikarten zu schreiben und diese dann auf einem riesigen Blatt Papier auf dem Boden zu arrangieren.

Daniel arranging cards Tobias and Daniel brainstorming Tobias drawing connections

Alsbald identifizierten wir verschiedene Arbeitsbereiche: Definition grundlegender Werte, Öffentlichkeitsarbeit, Unternehmensstruktur, Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Finanzierung, Recherchearbeit und Gemeindeentwicklung. All diese verschiedenen Bereiche sollten schließlich in einem funktionsfähigen Geschäftsplan münden. Um das Ganze übersichtlicher zu gestalten, identifizierten wir noch Meilensteine und gaben uns Mühe, die Aufgaben zeitlich sinnvoll anzuordnen. Wer gerne einen genaueren Blick auf den Plan werfen möchte, kann durch Klicken des folgenden Bildes zu einer vergrößerten Version gelangen.

Probably this SVG Image is not displayed because you are using an outdated browser like InternetExplorer 8 or older. You really should get a modern browser! The fastest and most modern browser available is Chrome which can be downloaded from http://chrome.google.com

Nachdem wir unseren Plan entworfen hatten, konnten wir mit der Umsetzung beginnen. In den letzten Wochen haben wir unsere Vision und unsere Ziele definiert, eine Gruppe von jungen Leuten aus Kenia und Deutschland zusammen gestellt, Kontakt zu einigen wichtigen Partnern mit Expertise in indigener Forstwirtschaft aufgenommen und haben den Projektstandort besucht.

Erste Standortbesichtigung

Vor zwei Wochen besuchte ich zusammen mit Ibrahim den potentiellen Projektstandort und traf die dort zuständigen Beamten des Kenya Forest Service (KFS).

Group Photo: Lucas, Ibrahim, Me, Daniel

Von Nairobi aus fuhren wir in vier Stunden nach Nyahururu, wo wir eine Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen trafen wir dann Daniel Nguyo, den stellvertretenden ökologischen Konservator des KFS für Laikipia county, und fuhren zum fünfzehn Minuten entfernten, ländlichen Marktplatz Kwa Wanjiku. Dort wartete der für Nord Marmanet zuständige Oberförster, Lucas Musasia, auf uns, der zusamme mit vier Rangern für die Verteidigung der verbliebenen Bäume gegen Holzdiebe verantwortlich ist. Von dort ging es zunächst weiter auf Schotterpisten durch die Flur und dann schließlich ohne jegliche Straße durch die Hügel, bis zum vorgesehenen Projektstandort.

Auf der folgenden Karte ist die ehemalige Fläche des Marmanet Waldes zu sehen und die zur Wiederaufforstung vorgesehene Fläche, welche im Ganzen sogar ungefähr 25 Quadratkilometer umfasst.

Map of the area

Der Marmanet Wald erstreckte sich vor Kenias Unabhängigkeit über mehr als 150 Quadratkilometer. In den 1980‘iger Jahren wurde er dann Opfer eines politischen Manövers. Kenias damaliger Präsident Daniel arap Moi, gab das Land an Mitglieder seines Stammes - Kalenjin aus dem Rift Valley. Im folgenden Jahrzehnt florierten die Geschäfte mit Feuerholz, Holzkohle, Bauholz und Möbeln. Das traurige Resultat dieser wenig nachhaltigen Wirtschaft war die Reduktion der Waldfläche auf 4 Hektar (0,04 Quadratkilometer), immer wieder auftretende Dürren und eine dramatische Arbeitslosigkeit als Folge des kompletten Zusammenbruchs der Holzindustrie. In den folgenden Jahren erholte sich das Land etwas, aber die indigenen Bäume können sich nicht großflächig von selbst wieder aussäen. Auf den Landesflächen, welche nicht dem Weizen- und Maisanbau oder als Weidefläche für Rinder und Ziegen dienen, wachsen heutzutage hauptsächlich Zypressen und allerlei Buschwerk. Auf diesem Land wollen wir mit der Wiederaufforstung beginnen. Das Land ist ziemlich hügelig und in einigen Bereichen gibt es noch kleinere Abschnitte indigenen Waldes, in welchem Elefanten, Paviane und verschiedene Vögel- und Insektenarten leben. Auf den folgenden Fotos sind die umliegenden Äcker und die entwaldeten Hügel zu sehen.

Surrounding farmlands Deforestated hills

KFS betreibt eine Baumschule nahe des Kwa Wanjiku Marktplatzes, in welcher sie hauptsächlich schnellwachsende Baumarten züchten, die von den umliegenden Bauern zur Feuerholzproduktion angepflanzt werden. Aber es werden schon einige indigene Baumsetzlinge produziert wie Zedern und Steineiben. Es gibt also einen Ansatzpunkt für das Projekt und mit harter Arbeit und ein wenig Segen können wir vielleicht tatsächlich ein paar hunderttausend Bäume in den nächsten Jahren pflanzen, um eine neue Grundlage für das wunderbare Ökosystem zu schaffen und den kommenden Generationen ein nachhaltiges Auskommen zu ermöglichen.

KFS Tree Nursery

Nyahururu liegt zwischen Mount Kenya und dem Nakuru Nationalpark und beherbergt die wunderschönen Thomson Wasserfälle, welche auf dem nächsten Foto zu sehen sind. Die Region hat also auch ein touristisches Potential. Wir hoffen, dass irgendwann ein Naturlehrpfad durch den Wald führen wird, auf dem sich Besucher über die Heilpflanzen des Waldes informieren und den Elefanten begegnen können. Und einige Unterkünfte und ein Restaurant sollten zum Verweilen einladen.

Thomson Falls

Weitere Fotos von unserem Besuch in Nord Marmanet sind auf flickr zu sehen.

Vision und Zielsetzung des Projekts

Es ist unsere Vision, durch großflächige Aufforstung in Kenia zur Wiederherstellung des lokalen Klimas beizutragen und einen signifikanten Beitrag zur globalen Emissionsminderung zu leisten. Dazu sollen skalierbare ökologisch und ökonomisch nachhaltige Wirtschaftsmodelle entwickelt und Emissionsausgleich angeboten werden. Die Wiederherstellung von Kenias Wäldern ist von essentieller Bedeutung für das Überleben des Viktoriasees und des Nils und die beste Methode um Dürrekatastrophen vorzubeugen. Weiterhin hat das Ökosystem dieser Wälder für den Artenschutz eine enorme Bedeutung, da es eine einzigartige Flora und Fauna beherbergt.

Eine nachhaltige Veränderung beruht auf einer Mentalitätsänderung in der Gesellschaft. Unser Projekt wird Arbeitsplätze für junge Kenianer und Kenianerinnen schaffen und damit zu einem nachhaltigen Wirtschafswachstum in Kenia beitragen und die Selbstachtung und Würde dieser jungen Menschen stärken. Projektbegleitend sollen Ausbildungsinitiativen in moderner Landwirtschaft, Grundlagen der Geschäftsführung und nachhaltiger Lebensweise angeboten werden, welche Integrität fördern und die jungen Menschen befähigen, Initiatoren einer nachhaltigen Entwicklung Kenias zu werden. 

Es ist aufregend bei einem so herausfordernden Projekt Verantwortung zu übernehmen und mit einer internationalen Gruppe von talentierten jungen Leuten zu arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch ein paar Jahre an diesem Projekt mitarbeiten werde.

Austausch via Mail oder Facebook