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Integrität,
Kirche &
Tanzen

Bevor ich vorerst Nairobi verlassen muss, wollte ich mir die Zeit nehmen, euch Diane und Ibrahim Omondi und ihre Geschichte kurz vorzustellen. Immerhin habe ich ein halbes Jahr lang mit ihnen zusammen gelebt und gearbeitet. Und ich will euch auch etwas über meine Kirchengemeinde erzählen und einen kleinen Einblick in den afrikanischen Gottesdienststil geben.

Diane & Ibrahim Omondi

1988 starteten Diane, die jüngste Tochter eines mennonitischen Pfarrers aus Ohio, und Ibrahim, der älteste von zehn Söhnen eines anglikanischen Laien-Pfarrers aus der Luo- Region, einen Bibelkreis in Nairobi. Über drei Jahrzehnte hin wächst dieser Kreis zu einer Kirche mit fast 200 Gemeinden in ganz Ostafrika an.

Diane and Ibrahim Omondi

Fotografie bei Debbi Omondi

Ibrahim begann mit 18 Jahren in Gefängnissen zu predigen und war ein passionierter Missionar in der ostafrikanischen Erweckungsbewegung. Als er 27 Jahre alt war, erhielt er ein Stipendium des Rosedale Bible Institute in Ohio und kam in die USA. Nach dem Abschluss dieses Programms erwarb er seinen Bachelor in Englisch am Goshen College und anschließend seinen Master in Kommunikationswissenschaften am Wheaton College.

Obwohl Diane ihre Jugendzeit in einer sehr monokulturellen Umgebung verbrachte, entwickelte sie schon früh ein Interesse an interkulturellem Austausch und internationaler Missionsarbeit. Mit 20 Jahren, während ihres Diakonie-Studiums am Goshen College, machte sie erste interkulturelle Erfahrungen während eines halbjährigen Aufenthalts in Costa Rica. Seit dieser Zeit wusste sie, dass sie ihr Leben internationaler Missionsarbeit widmen wollte.

Im Jahr 1981 predigte Ibrahim in einem Studentengottesdienstes in Goshen über Mission. Unter seinen Zuhörern war Diane, die von dem jungen und passionierten Afrikaner fasziniert war und mehr über Mission in Afrika erfahren wollte. Also trafen sich die beiden am nächsten Tag auf einen Kaffee, der ihr Leben verändern sollte. Die beiden wurden ein Paar und engagierten sich in der Jugendarbeit. Ein Jahr später begaben sie sich auf ihre erste gemeinsame Missionsreise nach Afrika. Der erste Einsatzort war ein Jugendcamp im Kongo. Danach wollten sie an einer Jugendkonferenz in Kenia teilnehmen. Aber als die Gruppe in Kenia ankam, ereignete sich der Putschversuch von 1982; Militärs hatten das Land für ein einige Tage unter Kontrolle und alles stand still. Ibrahim und Diane nutzten die Zeit, um Ibrahims Familie in Kitale zu besuchen und sich zu verloben.

Dieses Ereignis stellte die Weichen für ihren andauernden Einsatz gegen Korruption und für eine bessere politische Situation, mehr Integrität und Frieden in Kenia. 1984 kamen die beiden frisch verheiratet nach Kenia zurück und starteten eine christliche Zeitschrift, welche sich 'Beyond Magazine' nannte und einen deutlichen politischen Focus hatte. Während des repressiven Regimes von Präsident Moi rief dies viele Kontroversen hervor und als nach drei Jahren einer der Herausgeber ins Gefängnis geworfen wurde, sahen sie sich gezwungen, die Herausgabe der Zeitschrift zu beenden. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Gedanken gespielt, eine unabhängige christliche Kirche zu begründen und waren dazu mit DOVE International in Kontakt getreten. Es bot sich die Gelegenheit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Und so starteten sie einen Bibelkreis bei sich zu Hause, welcher sich nach einem Jahr zu einer Kirchengemeinde entwickelt hatte, die sich sonntags in einem kleinen Raum zum Gottesdienst versammelte. Von da an wuchs die Kirche sehr schnell. Schon bald wurden weitere Gemeinden in Uganda und anderen Teilen Kenias gegründet.

Diane und Ibrahim bekamen vier Kinder und die Kirche wuchs exponentiell als Laienbewegung mit einer auf persönlichen Beziehungen beruhenden Struktur. Diane wurde Ausbilderin für Montessory-Lehrer und -Lehrerinnen in Kenia und begann Kinderbücher zu schreiben, welche solide Werte und Integrität vermitteln. Einige dieser Bücher behandeln die Themen „Bäume pflanzen“ und „die Umwelt sauber halten“. Ibrahim wurde zum Vorsitzenden der Evangelischen Allianz von Kenya. Auch in dieser Position engagierte er sich weiterhin vehement gegen Korruption. Als Präsident Kibaki 2011 das Antikoruptions Kommittee einsetzte, wurde Ibrahim als Mitglied berufen. Diane und Ibrahim und ihre Kirche waren ein wichtiges Glied der Bewegung, welche Kenia nach den gewalttätigen Unruhen nach der Wahl im Jahr 2008 schließlich zum Frieden verhalf und die dafür sorgte, dass die Wahlen in diesem Jahr weitgehend friedlich verliefen. Nach drei Jahrzehnten ist die Kirche auf fast 200 Gemeinden in Afrika angewachsen und hat Missionare bis nach Indien ausgesendet.

Der Gottesdienst in DOVE Kawangware

Ich gehe mit Ibrahim und Diane zusammen zum Gottesdienst in Nairobi Kawangware. DOVE ist eine nicht denominelle Kirche: weder lutherisch, noch anglikanisch oder mennonitisch oder pfingstlerisch. Es ist aber eine sehr afrikanische Kirche: evangelikal, ziemlich charismatisch, politisch und sozial engagiert und sehr lebendig. Die Gemeindeglieder kommen aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten. Manche leben in den Slums und andere haben gut laufende Geschäfte in der Stadt. Wir haben häufig nationale und internationale Gastprediger, was ich meistens als sehr bereichernd empfinde. Hin und wieder begegnet man aber auch etwas seltsamen Missionaren aus dem Westen. Insbesondere in den letzten Monaten waren die Gottesdienste jedoch sehr gut und es ist ermutigend, das Engagement für Gerechtigkeit, Integrität und die Überwindung der Mentalität geboren aus Armut und Hoffnungslosigkeit zu sehen.

Es hat ein wenig gebraucht, bis ich mich an die Art des Gottesdienstes gewöhnt hatte und Teil der Gemeinschaft zu werden, aber mittlerweile fühle ich mich zu Hause und habe einige gute Freunde in der Gemeinde gefunden. Der Gottesdienst unterscheidet sich ziemlich von meinen bisherigen Erfahrungen. Üblicherweise beginnt er um 9 Uhr - wir kommen meist gegen 10 Uhr an - und geht über 4-5 Stunden. Es gibt eine Stunde Gebete und Fürbitte, eine Stunde "Worship", eine halbe Stunde Zeugnisse oder kulturelle Präsentationen und Abkündigungen, eine Stunde Predigt und eine weitere halbe Stunde Gebete für Gemeindemitglieder am Altar. Man kann das Ganze nicht so richtig beschreiben. Aber um euch eine etwas bessere Vorstellung zu geben, habe ich einen Teil des "Worship" für euch auf Video aufgenommen.

Es war inspirierend für ein halbes Jahr Teil dieser Gemeinde zu sein, auch wenn mir manches immernoch ein wenig seltsam vorkommt. Aber die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich fühle mich zu Hause.

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